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Ab in die Wildnis

In unserem Auto zu schlafen, stellte sich als ziemlich unbequem heraus… Wir fanden einen wunderschönen Campingplatz an einem See und in der Nähe vom Orpen Gate, doch er war von Millionen von Ameisen bewohnt und wir getrauten uns nicht, das Zelt aufzustellen.
Es war aber ein schönes Fleckchen Erde, um ein romantisches Abendessen und ein Glas sudafrikanischen Rotwein zu geniessen.

Dank unseren Camping-Erfahrungen waren wir es gewohnt, früh aufzustehen und hatten genug Zeit um unseren ersten Tag im Krüger Nationalpark zu geniessen.
Eine Herde Zebras hiess uns willkommen und präsentierte uns ihre neugeborenen Fohlen. Offenbar haben wir die perfekte Jahreszeit für unsere Reise gewählt- fast alle Tiere haben momentan Nachwuchs :)
Es hatte sehr viele Impalas (Antilopen) mit ihren Jungen, welche entweder ihren Müttern an den Fersen klebten oder sich mit anderen Babies in einer Art Impala «Kindergarten» aufhielten. Als nächstes sahen wir Giraffen, zuerst aus der Ferne aber später überquerten sie die Strasse direkt vor uns.
Schliesslich trafen wir auf die lang ersehnten Elefanten und am Abend kamen wir an einem Abwasserrohr vorbei, welches von Hyänen bewohnt ist. Diese verliessen das Rohr in dem Moment, indem wir vorbeifuhren, also hielten wir an und machten Fotos. Eine Baby-Hyäne hatte Angst vor uns aber seine Mutter ermutigte es, zu uns auf die Strasse zu kommen und dort spielte sie zuerst mit ihm und leckte ihm dann das Fell- direkt neben unserem Auto- und wir hielten alles auf Video fest.

Wir verbrachten die erste Nacht in unserem Zelt im Satara Camp und standen am nächsten Morgen früh auf, um den Norden vom Krügerpark zu erforschen. Wieder trafen wir auf Elefanten und wurden fast von einer Elefantenmutter angegriffen, welche es nicht mochte, dass wir ihre beiden Jungen fotografierten (obwohl wir Abstand hielten).

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An dem Nachmittag hatten wir den «Sweni Trail» gebucht, eine Safari zu Fuss, welche drei Tage dauert. Die Nächte dazwischen werden in einem kleinen, rustikalen Camp mitten im afrikanischen Busch verbracht.
Niemand sonst hatte diesen Trail gebucht und normalerweise wird er nicht durchgeführt, wenn sich zu wenig Gäste angemeldet haben. Also beschlossen die Ranger, Ronnie und Rhulani, ihn mit einem anderen Trail zu kombinieren, für welchen sich drei Leute angemeldet hatten. Das ergab jedoch erst 5 Personen, anstelle der gewünschten 8, aus diesem Grund fragten uns die Ranger ob sie noch ihre Frauen zum ersten Mal in den 14 Jahren, in denen sie als Ranger tätig sind einladen durften. Unsere Gruppe war super und es fühlte sich von Anfang an wie eine grosse Familie an :)
Auf dem Weg ins Sweni Camp hielten wir an einem Wasserloch an und beobachteten drei Löwinnen, welche gerade ein Beutetier verschlungen hatten und faul herumlagen. Sie waren umzingelt von Marabus, welche es kaum erwarten konnten, einen Bissen von der Beute zu ergattern.
Im Camp angekommen, wurden wir (zumindest wir zwei) mit einem leckeren veganen Essen von unserem Koch, James, verwöhnt.

Unsere Wanderung begann um 4:30 Uhr am nächsten Morgen und schon am Anfang sahen wir eine Hyäne. Die Ranger sagten, wir sollten uns nicht bewegen, da Hyänen nur Bewegungen sehen können. Nici fand das schwer, weil sie Hyänen liebt und sie am liebsten geknuddelt hätte. Der süsse Fratz sah uns nicht und kam uns ziemlich nahe, bis die Ranger tiefe Summ Geräusche machten, woraufhin er sich verdrückte.

Es war ein unglaubliches Gefühl, durch die Wildnis zu laufen und zu wissen, dass wir jeden Moment einem Löwen oder Elefanten begegnen könnten. Von den Rangern erfuhren wir viele interessante Fakten über Tiere und Pflanzen, welche wir auf unserer Wanderung sahen. Wir fanden auch Spuren und Knochen, unter anderem ein Bein von einem Tier, welches von einem Leoparden getötet und einen Baum hochgeschleppt worden war.
Wir sahen auch Echsen und Schildkröten, und viele Schildkrötenpanzer. Das war hart für Nici, weil Schildkröten ihre Lieblingstiere sind. Offenbar werden sie von Raubvögeln gejagt, welche sie packen und von hoch oben auf Felsen runterfallen lassen, um die Panzer zu knacken und sie zu essen. Die Natur ist brutal.

Nach einem leckeren Brunch und einer Siesta im Camp, brachen wir auf zu unserem Abendspaziergang und sahen wieder drei Löwinnen (wahrscheinlich dieselben wie am Abend zuvor). Das Gefühl war aber ein völlig anderes, da wir zu Fuss waren und die Möglichkeit bestand, angegriffen zu werden. Die Löwinnen hatten zwar bereits gegessen, aber sie hätten uns wahrscheinlich angegriffen, wären wir ihnen zu nahegekommen.

Den Tag liessen wir mit einem Sundowner an einem Wasserloch und einem (erneut) sehr leckerem Essen ausklingen.
Auf der nächsten Morgenwanderung kreuzten wir Soldatenameisen, welche gerade Körperteile von Termiten zu ihrer Königin schleppten. Wann immer jemand aus der Kolonie müde wurde und zurück fiel, wurde er von grösseren Ameisen auf den Rücken genommen und getragen. Es ist unglaublich, wie organisiert diese kleinen Tierchen sind. Wir können viel von ihnen lernen.

Am Nachmittag fing es an zu regnen, also nahmen wir den Safaribus, anstatt zu Fuss zu gehen. Wir hatten unglaubliches Glück und sahen eine Nashornmutter mit ihrem Baby, welche direkt am Strassenrand grasten. Dann sahen wir noch weitere Nashörner, im Ganzen mindesten acht Tiere. Später mussten wir anhalten, weil eine Herde Giraffen über die Strasse rannte.
Die Sundowner genossen wir an einem Wasserloch mit Blick auf eine Gruppe männlicher Löwen.
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Ein unerwartetes Abenteuer

Nachdem wir noch einige Hyänen angetroffen hatten, war es bereits dunkel und die Ranger wollten uns zum Camp zurückfahren. Aber als wir die Brücke, welche wir zuvor überquert hatten, erreichten, sahen wir, dass diese komplett überschwemmt war. Wir überlegten, durch das Wasser zu fahren. Es war nicht besonders tief, aber die Strömung war sehr stark… Zu Fuss zu gehen war keine Option, weil es in der Gegend Löwen hatte. Auch nachdem wir eine Weile gewartet hatten, war das Wasser immer noch gleich hoch.
Wir prüften also den einzigen anderen Weg zum Camp, aber auch dort hatte der Fluss den Weg überschwemmt.
Die einzige Möglichkeit war, zum Satara Camp zurück zu fahren, wo unsere Ranger Cottages für uns organisierten. Wir hatten aber ein schlechtes Gewissen, weil James ein Barbecue vorbereitet hatte und alleine im Sweni Camp wartete, ohne zu wissen, wo wir waren.

Wir versuchten, das Beste aus der Situation zu machen und assen ein paar Müsliriegel und tranken die Sundowners in der Familiensuite, wo wir untergebracht waren. Dann gingen wir ins Bett, unwissend, ob die Ranger den Fluss hatten überqueren und James abholen können. Wenn es keinen Weg in das Camp gab, dann gab es auch keinen heraus.
Aber bereits fünf Minuten später klopfte es an die Tür und Ronnie und Rhulani erschienen mit James und dem ganzen Barbecue im Schlepptau :) Sie hatten den Fluss überqueren und unsere Sachen vom Sweni Camp abholen können. Wir deckten den Tisch in der Familiensuite und assen das «letzte Abend Mal» dort, was auch sehr nett war, da es keine Nachtfalter hatte, welche sich in unserem Wasser ertränken wollten.

Alles in allem waren wir zufrieden mit dem Stand der Dinge und für uns war es ein Abenteuer!
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Ein Happy-End? Nicht für alle…

Unsere Gruppe trennte sich am nächsten Morgen auf und wir verabschiedeten uns von den anderen. Heutzutage ist es zum Glück einfach, in Kontakt zu bleiben und es ist toll, auf der ganzen Welt Freunde zu haben.

Wir nutzten den letzten Tag im Park für eine weitere Safari in unserem Auto, dieses Mal fuhren wir Richtung Süden.
Bereits nach einigen Minuten sahen wir viele Autos, welche am Strassenrand standen. Die Insassen beobachteten etwas. Einer der Fahrer teilte uns mit dass ein totes Nashorn am Strassenrand lag. Wir waren schockiert, weil wir zuerst dachten, es handle sich um Wilderei. Als wir aber näher kamen, sahen wir, dass es das Nashornbaby vom Vorabend war und dass drei Löwenmännchen um den Kadaver herumlagen… ihre mit Nashorn gefüllten Bäuche gen Himmel streckend.
Es war ein sehr trauriger Anblick und machte uns sprachlos, weil wir nur Stunden vorher das süsse Ding mit seiner Mutter gesehen hatten und jetzt war es tot. Einer der Anwesenden erzählte uns, dass er am Morgen gesehen hatte, wie die Löwen das Nashorn assen. Das bedeutete, dass es noch nicht lange tot war und dass es wahrscheinlich ein sehr langer Kampf gewesen war. Wo wohl die arme Nashornmutter geblieben war?…

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Wir wollten uns nicht allzu lange an dem Ort aufhalten, also fuhren wir weiter und hatten das Glück, einen Leopard auf einem Baum zu sehen, nur wenige Meter von der Strasse entfernt. Keine fünf Minuten später trafen wir auf weitere Löwen, einer lief direkt auf uns zu und war nur 1,5 Meter von unserem Auto entfernt.
René hatte auch noch Glück und sah seine geliebten Warzenschweine und einen See voll mit Nilpferden :) Sogar Krokodile waren dort und als wir auch noch Wasserbüffel sahen, war unsere Wunschliste (bis auf Geparden) komplett.

Wilderei im Park

Wilderei ist noch immer ein Riesenproblem- auch im Krüger Nationalpark. Nur wenige Wilderer werden erwischt. Laut unseren Rangern gab es vor drei Monaten einen Riesenskandal, als einer der obersten Chefs des Parks auf frischer Tat ertappt wurde. Zusammen mit dem Tierarzt hatte er ein Nashorn getötet, um das Horn zu verkaufen. Nashornhörner sind besonders im Asiatischen Raum sehr beliebt. Sie bestehen zwar, wie unsere Haare und Fingernägel, bloss aus Keratin, werden jedoch als Statussymbol gesehen und sind pro 100 g Pulver in Vietnam bis zu 2000 Euro wert (ein Horn wiegt 1- 10 kg).
Obwohl der Krüger Nationalpark seine Anzahl an Rangern verdoppelt hat, ist es unmöglich, das gesamte Gebiet abzudecken.

Wir waren enttäuscht, dass der «Supermond» am 14. Dezember von Wolken verdeckt wurde, doch eine Einheimische erklärte uns, dass das sehr gut ist, weil ein Vollmond in Südafrika auch «Wilderermond» genannt wird, da Wilderer bei starkem Mondschein am besten jagen können.
Du kannst den Kampf gegen die Wilderei unterstützen, indem du an Anti-Wilderei Organisationen spendest. Nimm dir einfach etwas Zeit, um dich online über Wilderei zu informieren. Im Internet sind sehr viele Informationen über dieses Thema zu finden und es wird erklärt, wie man sich am Kampf gegen Wilderei beteiligen kann.


Unsere Tipps für ein tolles Safari-Erlebnis:

Der günstigste Weg, den Krüger-Park zu geniessen ist, mit einem Mietauto selber durch den Park zu fahren. Als Ausländer zahlt man etwa R300 an Parkgebühren pro Tag. Wenn man über Nacht bleiben will (was sich empfiehlt, da man die grossen Fünf sehr wahrscheinlich nicht an einem Tag sieht), zeltet man am besten auf einem Campingplatz im Park.

Das beste Safari-Erlebnis hat man jedoch auf einem der «Walking trails», zum Beispiel dem Sweni Trail. Begleitet wird man von bewaffneten Rangern, welche den Park kennen und ungefähr wissen, wo die Tiere anzutreffen sind (natürlich gibt es auch hier keine Garantie für die «schönen 10*») und man lernt sehr viel über die lokale Flora und Fauna.
Es gibt auch Safaris im Bus zu mieten, aber unserer Ansicht nach lohnt es sich eher, selber mit einem Mietauto durch den Park zu fahren. Wenn man hingegen einen der Walking Trails bucht, verbingt man auch einige Zeit in einem Safari-Bus und hat somit eine Bussafari und eine Wandersafari in Einem.
Dazu kommt die Übernachtung in einem rustikalen Camp mitten in der Wildnis- ein unbeschreibliches Erlebnis :)

Wir sind froh, uns das gegönnt zu haben und es war es wert, unser tägliches Budget zu überschreiten.

Der Walking Trail kostet übrigens ungefähr R5000 pro Person, darin enthalten sind die Parkgebühren (R900 für drei Tage), drei Übernachtungen und das Essen.


* Der Begriff "die grossen 5" beschreibt die fünf beliebtesten Tiere zum Jagen... da wir das nicht unterstützen wollen, haben wir den Tipp unserer Freunde, den maptravellers, angenommen und beschlossen, stattdessen die "schönen 10" zu sagen... Die Nummer ist natürlich frei wählbar, schliesslich sind alle Tiere schön :-)

1 Comment

  1. harald sagt:

    Heyhey, Danke Ihr Beiden! Einfach super! Euch aus der Ferne bissli begleiten zu dürfen und an Euren Erlebnissen Teil haben zu können!
    🙂
    Ganz liebe Grüsse von allen Zwei-und VierbeinerInnen aus Malibaud

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