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Viel Wind um Kapstadt

Alle lieben Kapstadt… Nur leider mögen wir Städte generell nicht.
Kapstadt brachte uns jedoch dazu, uns zu verlieben- nicht in die Stadt selber, sondern in ihre Umgebung.

Unser Roadtrip hatte uns bisher durch mehrheitlich ländliche Gebiete geführt und wir hatten Städte wie Durban oder Port Elizabeth ganz ausgelassen. Wir waren es uns also nicht mehr gewohnt, viele Menschen um uns rum zu haben.
Wir mögen ruhige Gegenden mit wenig Leuten, also hatten wir ein Airbnb-Zimmer in Klein Slangkop gebucht- einer Gemeinde, welche etwa 45 Autominuten von Kapstadt entfernt liegt.

Das war eine gute Entscheidung! Unser Zimmer war nur 4 Gehminuten vom Strand entfernt, dem Long Beach, um genau zu sein; und es hätte nicht ruhiger sein können.
Unser Gastgeber war etwa in Renés Alter und es stellte sich heraus, dass wir mehrheitlich dieselben Ansichten haben, also hatten wir tolle Gespräche und Drinks zusammen.

Am 4. Januar mussten wir unser geliebtes «Iggy» am Flughafen abgeben. Adieu Komfort und hallo «Leben aus dem Koffer».
Wir fanden es schade, dass Uber Taxis nicht am Flughafen erlaubt sind, und wir uns nur zwischen einem Bus und einem offiziellen Taxi entscheiden konnten. Wir nahmen den Bus, da dies die günstigere Option war, aber auch der kostete uns 90 Rand pro Person- um zum Stadtzentrum zu fahren.
Die Menschen und der Lärm in der Stadt wurden uns aber schnell zu viel und wir entschieden, gleich wieder nach Klein Slangkop zurück zu gehen, ohne die Stadt anzuschauen.
Wir checkten eine Karte und fanden heraus, dass ein Zug nach Fish Hoek fährt, einer Stadt die ziemlich nahe an Klein Slangkop liegt.
Also kauften wir ein Zugticket für nur 9 Rand (!) pro Person und stiegen in den Zug. Es war sehr gemütlich drinnen, aber das lag daran, dass wir aus Versehen die 1. Klasse erwischt hatten… Das merkten wir aber erst später.
Jedenfalls bewegte sich der Zug kein Stück.
Wir wussten nicht, was wir bei den günstigen Preisen erwarten sollten, also warteten wir einfach geduldig. Erst als die anderen Passagiere nervös wurden, merkten wir, dass das nicht normal war. Kein einziger Zug hatte den Bahnhof verlassen, und wir sassen nun schon eine Stunde drin.
Endlich kam eine Durchsage, aber die meldete nur, dass alle Züge Verspätung hatten, wegen einem Fehler im Bahnhof.
Niemand wusste, was damit gemeint war.
Ab und zu verliessen einige Leute den Waggon, und andere stiegen ein. Offenbar wechselten einige Leute dauernd den Zug, im Glauben, einer der anderen sei schneller.
Es war ziemlich unterhaltsam, die Leute zu beobachten, welche gestresst im Bahnhof hin und her rannten.
Viele stiegen auch aus, um ein Taxi zu nehmen, aber wir wussten, dass sobald wir den Zug verliessen, er sich in Bewegung setzen würde- und dann wären wir uns doof vorgekommen.
Also blieben wir sitzen.
Nach 2 Stunden fuhr der Zug endlich los…
Und stoppte wieder irgendwo im Nirgendwo.
Dieses Mal dauerte es aber nur 15 Minuten, bis er sich wieder in Bewegung setzte.
Alle waren ziemlich genervt- ausser uns. Wir haben ja Ferien und mussten nirgendwo sein.
Als endlich alles wieder mehr oder weniger normal lief, waren wir froh, dass wir den Zug genommen hatten. Die Strecke ist nämlich wunderschön! Sie führt am Meer entlang und die Sonne ging gerade unter… Stellt euch vor, das wäre euer Arbeitsweg!

Nach 1 Stunde Zugfahrt landeten wir in Fish Hoek. Dort nahmen wir ein Uber «nach Hause», was noch einmal 20 Minuten dauerte. Aber dann waren wir endlich zurück und gönnten uns einen Drink.

Das Western Cape hatte uns ziemlich stürmisch begrüsst- wortwörtlich- und das änderte sich auch nicht in den 6 Tagen und Nächten, die wir in Klein Slangkop verbrachten.
Es war zu windig, um einfach am Strand zu liegen (ausser man mag Sand im Mund) und das Wasser war eiskalt. Dafür hatte es nicht besonders viele Leute am Strand, was ziemlich toll ist, wenn man gute Fotos machen will.
Der Wind bescherte uns Kopfschmerzen und eine Erkältung… und blies unser Stativ um, als wir ein Foto von uns machen wollten. Murphy’s Gesetz besagt: was schiefgehen kann, wird schiefgehen, und so landete unsere Kamera mit der Linse voran auf einem Stein. Das Glas fiel heraus und bekam ein kleines Loch :-(

Zurück im Zimmer versuchte René, online ein neues Sony Objektiv zu finden. Leider ohne Erfolg, da offenbar im südlichen Afrika grundsätzlich nur Nikon und Canon Produkte verkauft werden. Also versuchte er halt, das Objektiv zu flicken, was auch halbwegs funktionierte.
Wir können Fotos machen und sogar zoomen, auch das Loch in der Linse sieht man nicht, aber die Kamera macht komische Geräusche und wir müssen dauernd aufpassen, dass die Linse nicht wieder rausfällt.

Die ersten paar Tage waren wir damit beschäftigt, unsere Weiterreise zu planen und unsere Website auf Vordermann zu bringen. Wir fanden aber auch Zeit zum Dexter Schauen ;)
Ausserdem kochten wir leckere Abendessen mit den Vegi-Produkten von Fry’s Family, welche wir in einem nahe gelegenen Checker’s Hyper gefunden hatten <3

Als wir das nächste Mal das Haus verliessen, erreichten wir den Bahnhof Fish Hoek per Anhalter (einmal auf einem Pick-Up) und per Minibus Taxi (für 8 Rand pro Person) und fuhren dann per Zug nach Simon’s Town, wo die afrikanischen Pinguine leben :)
Dieses Mal reisten wir auch in der richtigen Klasse und der Unterschied war schon ziemlich offensichtlich. Es hatte nur harte Bänke zum Sitzen.
In Simon’s Town wollten wir noch mehr Geld sparen und gingen die 30 Minuten bis zum Boulder’s Beach zu Fuss. Dabei hatten wir die Gelegenheit, die schönen bunten Häuser der Stadt zu bestaunen.

Um die Pinguine zu besuchen, muss man 70 Rand bezahlen. Zum Schutz dieser Tiere wurden einige Strandteile zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Pinguine können sich frei bewegen, halten sich aber hauptsächlich im geschützten Bereich auf. Kein Wunder, bei so vielen Touristen!
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An unserem letzten Tag in Klein Slangkop, nahmen wir wieder den Zug nach Kapstadt, um Freunde aus dem Coffee Shack zu treffen. Zusammen nahmen wir den Sightseeing Bus und besuchten die botanischen Gärten. Diese sind zwar schön, waren aber für uns nicht so interessant, da der Frühling längst vorbei ist und gar nichts mehr blüht.

Es fiel uns schwer, unser gemütliches Airbnb zu verlassen, aber es machte für uns mehr Sinn, noch ein paar Tage im Zentrum von Kapstadt zu bleiben, bevor wir am Donnerstag den Bus nach Windhoek nahmen.
Es gab noch so vieles, was wir noch nicht gesehen hatten und dauernd 1 Stunde Zug zu fahren war uns zu umständlich.
Unsere Unterkunft hiess Anzac Backpackers und liegt nahe an der berühmten Long Street.
Das Hostel war jedoch leer bis auf uns, eine deutsche Backpackerin und einige Angestellte.
Das war ziemlich schräg, da wir es im «Coast to Coast»-Guide gefunden hatten und dort steht, es sei nichts für Menschen, die schlafen wollen, da es dauernd voll sei und laute Parties gefeiert werden. Wir waren also ein Bisschen enttäuscht, als wir es leer vorfanden.

Am ersten Abend besuchten wir die Long Street, aber auch die war leer. Nirgendwo wurde gefeiert. Klar, es war Montag, aber welche Touristen interessieren sich schon für Wochentage?
Immerhin hatten wir genug Schlaf, bevor wir am nächsten Morgen den Lion’s Head bestiegen. Für einmal war es nicht windig, aber ein Bisschen Wind hätte uns nicht geschadet, da es sehr heiss war und wir klatschnass geschwitzt waren, als wir oben ankamen.
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Eigentlich hatten wir am selben Tag auch noch auf den Tafelberg wandern wollen, aber nach der Lion’s Head Wanderung hatten wir genug Sonne und Kopfschmerzen und beschlossen, die Gondel zu nehmen.
Wir kauften die «Sunset Special» Tickets, welche erst ab 18 Uhr gültig sind und nur 130 Rand für beide Wege kosten.
Das machte auch Sinn, da wir ja den Sonnenuntergang anschauen wollten. Die Schlange vor der Gondel war unglaublich lang und wir hatten schon Angst, dass wir den Sonnenuntergang verpassen würden.
Aber es stellte sich heraus, dass wir uns aus Versehen vorne an der Schlange angestellt hatten und schliesslich waren wir die ersten in der Gondel.
Das ist zwar gemein, aber wir waren nicht die einzigen, die das System nicht begriffen hatten, und als man uns plötzlich zum Eingang führte, sagten wir natürlich nicht Nein.

Wir fanden ein gemütliches Plätzchen am Rand des Berges und konnten den Sonnenuntergang geniessen, ohne uns von den Menschenmassen auf dem Berg stören zu lassen. Der Sonnenuntergang war so schön, wie er nur sein kann! Die Farben waren unglaublich!
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Die meisten Leute verliessen den Berg gleich wieder, als die Sonne am Horizont verschwunden war. Wir warteten aber, bis es dunkel war und gingen zur anderen Seite, wo man eine tolle Sicht über Kapstadt hat. Die Lichter der Stadt schimmerten unter einem beinahe vollen Mond- traumhaft!
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Wir würden Kapstadt durchaus als tolle Stadt bezeichnen und auch wieder zurückkommen. Das liegt jedoch hauptsächlich an den Bergen und Stränden, die Stadt selber ist uns zu voll und die schönsten Strandplätze haben sich die Reichen unter den Nagel gerissen, also stehen dort Villen…


Jetzt sitzen wir gerade im InterCape-Bus, auf dem Weg nach Windhoek :)
Der Bus ist sehr komfortabel und modern, wir empfehlen ihn gerne weiter. Falls ihr aber keine Christen seid, nehmt am besten ein Musikgerät mit vollem Akku mit. InterCape ist ein strenggläubiges Unternehmen und man wird während der Fahrt nonstop mit christlichen Filmen, Werbungen und sogar Gebeten auf dem Bildschirm «unterhalten»…

5 Comments

  1. I hätt nid dänkt, dases no e Steigerig git mit schöne Fotis…geniau…richtegi Kunschtwärk!

  2. roli sagt:

    Phänomenale Bilder, super Tagebuch! man fühlt sich ein bisschen wie mitreisend…
    Häbet’s guet, dir zwöi!

  3. harald sagt:

    Top Photos!!! und super Beschreibung wie ihr da als Einzige relaxed im net abfahrende Zug sitzet!!;-))
    GLG Renata und Harald

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